Beispiele von Kunststationen: KunstRaumHeilsbronn

Kunststation Mayer

Mit dem Label „KunstRaumHeilsbronn“ verbindet sich eine seit 13 Jahren bestehende Kunstarbeit auf dem Gelände und in den Räumen des ehemaligen Zisterzienserklosters Heilsbronn und im öffentlichen Raum der Stadt Heilsbronn. Den ehrenamtlichen Akteuren aus einem Netzwerk Religionspädagogisches Zentrum der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, Evang.-Luth. Kirchengemeinde, Kulturverein und Stadt Heilsbronn ist es im Laufe der Jahre gelungen, vielfältige Anknüpfungspunkte am Geschichtsraum der Klosteranlage mit zeitgenössischer Kunst zu schaffen. Dabei eröffnen sich vielfältige Begegnungsräume, die in ihrer Strahlkraft weit über die Region hinausreichen. Immer wieder konnten namhafte Kunstschaffende gewonnen werden, ohne dabei auch regional tätige Künstlerinnen und Künstler aus dem Blick zu verlieren. Seit 2015 steht auch die ehemalige Klostermühle bei Bedarf als Ausstellungsort zur Verfügung. Hinter dem Begriff „KunstRaum Heilsbronn“ steckt ein integrativer Ansatz von Kunstarbeit in der Vielfalt ihrer Medien wie Grafik, Bildhauerei, Malerei, Text, Installation und Musik in ausdrücklichem Bezug zu Umfeld und Raum. Kunst braucht ihren Raum, sowohl örtlich als auch als Freiraum ohne Unterordnung unter eine Funktionalität. Gute Kunst schafft aber auch Raum und eröffnet den Raum für „das Geheimnis, das sie umspielt und uns als Betrachter dabei trifft.“ (Gerhard Spangler, Rede zur Ausstellungseröffnung Stephan Guber – in die Welt gestellt, 6. Mai 2018. Katalog zur Ausstellung, Heilsbronn 2018). Raum und Kunst treffen so in ihrer Wirkmächtigkeit aufeinander und bieten in den Räumen des Münsters, der Neuen Abtei mit dem Religionspädagogischen Zentrum, dem Refektorium und den Außenanlagen neue Erfahrungsräume für aktuelle Fragen und Antworten des Lebens.

Der Heilsbronner Spannungsbogen wird damit gesetzt, dass zeitgenössische Kunst in den Atmosphären des klösterlichen Areals beispielhaft in den christlich-abendländischen Kulturraum zurückkehrt, an dem sie ihren Ursprungsort hatte, allerdings ohne die in früheren Zeiten gängige autoritäre Steuerung kirchlicher Institution. An ihre Stelle tritt der Diskurs von Kunstinteressierten aus dem Kontext von Bürgergemeinde und Kirchengemeinde sowie dem Lern- und Begegnungsort des Religionspädagogischen Zentrums. Für die Künstlerinnen und Künstler bestehen die spannungsvolle Herausforderung und der qualitative Anspruch darin, sich mit ihren Arbeiten auf das einzulassen, was die vorfindlichen Räume als „Anmutungen“ (Gernot Böhme) bereitstellen.

Kunststation Guber

So nahm zum Beispiel Gerhard Mayer mit seinem 2015 im Mortuarium gezeigten großflächigen Triptychon „10 10 122“ den Eindruck des Schwebens und der Weite des Kirchenraums auf, um eine traditionelle Altarmotivik aus dem 15. Jahrhundert mit der Quantentheorie zu verknüpfen und damit Unsichtbares sichtbar werden zu lassen. Lebensgroße Pappelfiguren von Stefan Guber belebten 2018 geheimnisvoll den Kirchenraum. Mit seiner Installation „Sonnensegel“ entstanden neue Aufmerksamkeiten für das ansonsten eher unscheinbare Heilig-Geist-Loch im Mortuarium. Seine dreiteilige Eichenholzgruppe „Passion“ trat in Korrespondenz mit dem Renaissanceepitaph von Loy Hering für die Markgrafen Georg den Frommen (gest. 1543) und seinen Vater Markgraf Friedrich den Älteren (gest. 1536).

Durch die bevorstehende Vereinsgründung findet der KunstRaumHeilsbronn mit seiner begleitenden Kultur- und Bildungsarbeit einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Rahmen. Der Ankauf von sieben Skulpturen von Thomas Röthel durch die Stadt Heilsbronn stellt mit der Gestaltung einer Stadtentwicklungsachse einen weiteren Meilenstein dar in der Ausstrahlungskraft von KunstRaumHeilsbronn weit über den kirchlichen Raum hinaus.

Gunther Reese in KircheKunst 2 2020 (S. 29 - 31)

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